Wie denken die Kriegsparteien im Nahen Osten?

Schneider
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Spiegel-Autor Richard C. Schneider lebt selbst zum Teil in Israel. Er kennt die Situation im Nahen Osten aus erster Hand. Nun will er in Münchberg erklären, wie es dort wirklich aussieht.

Am 7. Oktober 2023 greift die Terrormiliz Hamas Israel an. Bei dem Angriff sterben über 1100 Menschen; er gilt daher als der größte Massenmord an Juden seit dem Holocaust. Der Krieg zwischen der Hamas und Israel dauert bis heute an. Nach einer fast zweimonatigen Waffenruhe hat Israel am 18. März erneut Ziele im Gazastreifen angegriffen. Premierminister Benjamin Netanjahu begründet das mit der Weigerung der Hamas, die verbliebenen israelischen Geiseln zu befreien. Auch die israelische Armee meldet nun erneut Luftangriffe aus dem Gazastreifen. Weltweit werden deshalb Rufe nach einer erneuten Waffenruhe laut.

Mit der Situation im Nahen Osten befasst sich am Mittwoch, 26. März, ein Vortrag im Münchberger Schützenhaus. Referent ist Richard C. Schneider, der lange Jahre als Israel-Korrespondent für die ARD tätig war, und nun als Autor für das Nachrichtenmagazin Spiegel über Israel und die Palästinenser-Gebiete berichtet. Der Vortrag trägt den Titel „Wohin steuert der Nahe Osten – Israel, was nun?“.

“Ich will die Menschen aufklären“

In dem Vortrag möchte Schneider versuchen, einen Überblick über die Situation in Israel, Gaza und dem gesamten Nahen Osten geben. Wie er auf Anfrage unserer Redaktion schreibt, gehe es ihm darum, geopolitische Entwicklungen aufzuzeigen, Zusammenhänge sowie die Denkweisen der Kriegsparteien und all jener, die im Hintergrund beteiligt sind, zu erklären. „Es geht mir nicht darum, dem Publikum irgendeine Meinung vorzuschreiben. Ich bin einfach ‚altmodisch’, da ich noch an so etwas wie Aufklärung glaube. Man soll sich seine eigene Meinung bilden können. Darum geht es im Journalismus“, sagt Schneider.

Die mediale Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Hamas ist jedoch immer wieder Gegenstand der Kritik. Den deutschen Medien wird teils vorgeworfen, sie würden zu einseitig berichten – zu Gunsten Israels. Das NDR-Nachrichtenmagazin ZAPP hat im vergangenen Sommer eine Umfrage in Auftrag gegeben. Demnach hatten 40 Prozent der Befragten sehr viel oder viel Vertrauen in die deutsche Berichterstattung zum Krieg in Gaza und Israel. 48 Prozent gaben jedoch an, wenig bis gar kein Vertrauen in die Berichterstattung zu haben.

Richard C. Schneider sagt: Er wolle und könne sich zur Arbeit von Kollegen nicht äußern, nur so viel: „Es gibt sehr gute Berichterstattung. Es gibt aber auch sehr schlechte.“

Quälende Ungewissheit

Richard C. Schneider lebt selbst zur Hälfte in Deutschland und zur Hälfte in Tel Aviv. Am Tag des Angriffs, am 7. Oktober 2023, war er selbst nicht in Israel, erzählt er. Für ihn sei es schwer gewesen, nicht vor Ort sein zu können – vor allem, weil er Menschen dort kannte. „Die Tochter einer Freundin wurde vermisst. Ich kannte Leute in den Kibbuzim, die überfallen wurden.“ Er berichtet, dass die besagte Tochter das Festival besucht hat, dass die Hamas angegriffen hat. Dort wurde die 26-Jährige nach Aussagen Schneiders „massenvergewaltigt und ermordet“.

Schneider habe nach dem Überfall auf Isreal zudem ständig versucht, sein palästinensisches Team zu erreichen, mit dem er für die ARD elf Jahre lang zusammengearbeitet hat. „Lange wusste ich nicht, wo sie sind, ob sie noch leben. Irgendwann gelang endlich der Kontakt.“

Ungewissheit herrscht für Schneider auch heute noch in den betroffenen Gebieten. Wie es weitergeht, sei im Moment schwer abzuschätzen. Er befürchtet, dass die Kämpfe nun erst einmal weitergehen. „Die jetzt wieder ausgebrochenen Kämpfe sind vor allem für die noch verbliebenen Geiseln in den Tunneln der Hamas und für die palästinensische Zivilbevölkerung schrecklich“, schreibt er.

Wie kann der Krieg beendet werden?

In der Beschreibung des Vortrags heißt es, der Spiegel-Autor möchte in seinem Vortrag auf mögliche Zukunftsszenarien im Nahen Osten eingehen. Unsere Redaktion hat ihn deshalb gefragt, wie diese aussehen könnten, und ob es eine Regelung geben könnte, mit der beiden Seiten leben könnten. Klar sei für ihn, dass die Hamas keine politische Zukunft habe. In seiner Antwort kommt Schneider auf einen Friedens- und Wiederaufbauplan der arabischen Staaten zu sprechen.

Dieser sehe vor, dass die Hamas politisch abdankt. Darin sei jedoch nicht die Rede davon, dass die Terrormiliz entwaffnet wird. „Ohne diese Entwaffnung kann es keine Ruhe geben. Eine Hamas, die weiterhin in Gaza ist und ihre Waffen behält, ist für Israel auf Dauer nicht akzeptabel“, erklärt Schneider. Es würde eine ähnliche Situation entstehen wie mit der Hizbollah im Libanon. „Das ist das sichere Rezept für den nächsten Krieg.“

Nach den jüngsten Angriffen in Israel und dem Gazastreifen haben die Regierungschefs der Europäischen Union eine „sofortige Rückkehr“ zur Waffenruhe gefordert. US-Präsident Donald Trump unterstützt unterdessen die erneute Offensive Israels. Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte: Trump wolle, dass alle israelischen Geiseln wieder nach Hause kommen. Deshalb unterstütze er die Maßnahmen der Armee. Doch welche Rolle spielen die USA für ein mögliches Ende des Krieges? Richard C. Schneiders Antwort ist deutlich: „Ohne die USA geht nichts. Zum Guten wie zum Schlechten.“

Der Vortrag „Wohin steuert der Nahe Osten – Israel, was nun?“ mit Richard C. Schneider findet am Mittwoch, 26. März, im Schützenhaus in Münchberg statt. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass bereits ab 18.30 Uhr. Karten gibt es für zehn Euro an der Abendkasse und im Vorverkauf bei Schreibwaren-Heinritz in Münchberg.