"Dem Rad in die Speichen fallen" - was bedeutet das heute?

Die Erinnerung an Bonhoeffers achtzigsten Todestag in einem besonderen Setting – das war der Anlass, zu dem am 9. April etwa 40 Interessierte zusammenkamen: Menschen mit den unterschiedlichsten Zugängen zu Bonhoeffer, Menschen mit verschiedenen Berufen und Lebensgeschichten, skeptische und überzeugte, enttäuschte und optimistische, kirchennahe und kirchenkritische. Bonhoeffer bewegt in der gegenwärtigen Zeit mehr denn je.

Pfarrerin Dr. Verena Grüter skizzierte einleitend Bonhoeffers Weg in den Widerstand. Ein halbstündiger Film brachte Beiträge von Persönlichkeiten, die Bonhoeffer nahe standen, und die die Motive seines Handels deuteten. Dazu sah man aussagestarke Bilder von Bonhoeffers Lebensstationen damals und heute und hörte eine intensive Filmmusik, die immer wieder die Melodie von „Befiehl du deine Wege“ anklingen ließ.
Idee des Erinnerungsabends war, die Interessierten ins Gespräch zu bringen. Dazu verteilten wir uns an drei Tische und stellten uns Fragen wie Was bedeutet heute Widerstand? Was bedeutet es heute, Schuld zu bekennen und die Wahrheit zu sagen? Wo sind wir heute herausgefordert, mutig zu handeln? Wo sehe ich unsere Kirche heute in Verantwortung? Die Gespräche wurden von Zitaten Bonhoeffers eingeleitet, wurden moderiert und auf Plakat-Papier mitgeschrieben. Letztlich hatten alle die Gelegenheit, sich mit allen Fragen auseinanderzusetzen. Man knüpfte zunächst an Bonhoeffer an, dann an das, was schon andere assoziiert hatten und ergänzte seine eigene Perspektive.

Es tat gut, sich zuzuhören, Neues zu durchdenken, sich zu verständigen, ohne sich zu spalten. Schlüsselwörter wie Gemeinschaft, Frieden, Verantwortung, soziale Gerechtigkeit, Christsein, Freiheit, Gut und Böse, Zukunft landeten auf den Plakaten. Die Gespräche darüber bildeten einen Anfang, der fortgesetzt werden soll. Wir wollen in unserer Kirche noch mehr den Schatz des menschlichen Miteinanders pflegen. Gegenseitige Wahrnehmung und gute Kommunikation können einander stark machen. Dies war an jenem Abend erlebbar. 

Heidi Sprügel, Evangelische Erwachsenenbildung